Über 80 % der ICOs basierten im Jahr 2017 auf offensichtlichem oder sehr wahrscheinlichem Betrug. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Studie des Research-Unternehmens Satis Group mit Sitz in New York hervor.

Verheerende Beurteilung von Initial Coin Offerings

Initial Coin Offerings – Kürzel ICOs – sind Neuplatzierungen von Kryptowährungen. Die Anbieter werben mit einer neuen Technologie auf Blockchain-Basis (oder einer vergleichbaren Datenbank-Technik) und kreieren dazu eine virtuelle Währung, von denen es im Sommer 2018 weit über 3.000 geben dürfte. Da solche Währungen manchmal preislich explodieren, wie das Beispiel von Bitcoin, Ether & Co. gezeigt hat, kann die Nachfrage bei den Anlegern sehr hoch sein.

Die Hoffnung: Nach dem ICO steigt der Preis der Kryptowährung um mehrere Hundert und manchmal auch um mehrere Tausend Prozent. So weit ist der Gedanke grundsätzlich in Ordnung, doch die etablierte Finanzwirtschaft inklusive ihrer Aufsichtsbehörden traut dem System offenbar wenig. Daher gibt es auch noch keine IPOs (Initial Public Offerings wie bei Aktien) von Kryptowährungen, sondern nur die mehr oder weniger unregulierten, jedenfalls nicht streng von der Börsenaufsicht überwachten ICOs.

Diese werden offenbar massenhaft von Betrügern als Gelddruckmaschine genutzt, wie die Satis Group Studie herausfand. Deren Ergebnisse sind wahrhaft erschütternd: Mehr als 80 % aller 2017er ICOs basierten offenbar auf einem direkten Betrug oder zumindest auf einem so halbseidenen Geschäftsmodell, dass man den Initiatoren ungestraft Betrugsabsichten unterstellen kann. Für die Studie untersuchten die Experten der Satis Group ICOs, deren Marktkapitalisierung mindestens 50 Millionen Dollar betrug.

Für die Qualität der ICOs wurden öffentlich verfügbare Daten herangezogen, darunter das White Paper sowie das Listing und die Zeichnung der Tokens. Von diesen waren nur acht Prozent auf einer der gängigen Kryptobörsen gelistet. Dort sollten sie aber zu finden sein, wenn sie wirklich den breiten Markt ansprechen wollen.

Die Studienergebnisse im Detail

Die Satis Group ist mit einem hochkarätigen Team von Finanzexperten besetzt, welche die Krypto-Szene schon länger beobachten. Die beiden Autoren Michael Hodapp und Sherwin Dowlat unterteilten die ICOs in ihrer Studie in sechs Gruppen mit folgenden Ergebnissen:

  • Betrug: 81 % aller ICOs
  • gescheitert: 6 %
  • irrelevant (“tot”): 5 %
  • schrumpfend: 4,4 %
  • erfolgreich: 1,9 %
  • Erfolg versprechend: 1,8 %

Die Betrüger identifizierten die Analysten eindeutig als Projekte, die lediglich Geld für die Tokens einsammelten, ohne jemals in einen Fonds zu investieren, der das beschriebene technische Projekt vorangebracht hätte. Gescheitert waren ICOs, die ihre Zeichnungsphase nicht abschließen konnten, weil sie den Softcap (Menge für die nötige Investition) nicht erreichten. “Tot“ sind ICOs mit eingeworbenen Geldern, die niemals an einer Kryptobörse gelistet wurden sowie niemals einen Code-Beitrag auf dem OSS-Portal Github veröffentlichten.

Schrumpfende ICOs kamen über die Beta-Phase ihres Projekts nicht hinaus, veröffentlichten keine transparente Roadmap und erschienen sehr verspätet auf Github. Nur die ICOs, die all diese Hürden nahmen oder wenigstens alsbald schaffen könnten, gelten als erfolgreich oder Erfolg versprechend. Dabei sind die Erfolgskriterien nicht allzu hoch angebunden, was zu großer Ernüchterung in Bezug auf die virtuellen Währungen führt. Die im Sinne dieser Studie erfolgreichen ICOs machen die Token-Inhaber nicht unbedingt reich. Sie kommen nur ihren beim ICO abgegebenen Versprechen nach.

Mehr zur Studie ist auf dem Fachportal cointelegraph.com zu finden.